Ein kurzes Fazit zum CSD Erfurt


Was für ein Tag! Vergangenen Samstag fand der bisher größte CSD Erfurt statt: Gemeinsam mit über 3000 (!) Menschen haben wir ein unüberhörbares Zeichen für echte Akzeptanz gesetzt. Durch viele Schilder, Reden und Banner haben wir auf unsere Forderungen aufmerksam gemacht - z.B. die Schaffung eines Queeren Zentrums in Erfurt oder das Ende des Transsexuellengesetzes.

Ganz besonders haben wir uns auch über die vielen Unterstützer*innen aus der Zivilgesellschaft gefreut: Das antifaschistische Plätze-Bündnis Erfurt, die Seebrücke Erfurt, Gewerkschaften, Fridays for Future Erfurt (mit einem eigenen Klima-Block bei der Demo), das Frauenkampftagsbündnis Thüringen, einige Parteien und deren Jugendorganisationen und natürlich die Organisationen der Thüringer LGBT*IQ-Community selbst haben zum CSD Erfurt aufgerufen und uns als Orga-Team ganz oft sehr konkret unterstützt. Das zeigt, dass wir Seite an Seite mit anderen sozialen Bewegungen für eine freiere, solidarischere Gesellschaft kämpfen.

Die Teilnehmer*innenanzahl, die breite Unterstützung und auch die Aktionswochen im Vorfeld des CSD-Wochenendes: Das alles macht den CSD Erfurt 2019 zu einem Meilenstein für die Sichtbarkeit der LGBT*IQ-Community in Erfurt und ganz Thüringen - darauf sind wir stolz.


Es gab vergangenen Samstag aber auch sehr negative Ereignisse und Erfahrungen. Dazu gehört die Kooperation mit dem Erfurter Ordnungsamt und der Thüringer Polizei, die wir hier kurz kommentieren und einordnen möchten.

Was mit dem Kooperationsgespräch Anfang August eigentlich noch gut startete, stellte sich am 24. August selbst als ziemliche Enttäuschung heraus:
Erstens wurde uns im Kooperationsgespräch mehrfach zugesichert, dass die extrem rechte Kleinstpartei 3. Weg ihre Gegendemonstration zum CSD Erfurt nicht auf dem Angerdreieck abhalten wird, weil eine unserer Zwischenkundgebungen schon auf dem Angerdreieck angemeldet war. Wenige Tage vor dem 24. August hatte sich das dann offensichtlich geändert und der 3. Weg konnte auf dem Angerdreieck kurz nach unserer Demonstration und parallel zum CSD-Straßenfest (also keine 100m entfernt) seine queerfeindliche Propaganda verbreiten.
So stellen wir uns eine gute Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt NICHT vor. Mit dieser Entscheidung wurden nicht nur die Zusicherungen im Kooperationsgespräch komplett übergangen, die Sicherheit aller Teilnehmenden des CSD Erfurt wurde auch massiv gefährdet.

Zweitens ist das die geringe bis kaum vorhandene Präsenz der Polizei. Für alle Beteiligten – inklusive der Polizei – war völlig klar, dass am 24. August mehr Menschen als im letzten Jahr am CSD Erfurt teilnehmen würden. Dass bei der Demonstration dann so wenige Polizist*innen anwesend waren und nur vor und hinter dem Demonstrationszug mitfuhren war deswegen absolut unverantwortlich – und hat dazu beigetragen, dass ein Übergriff auf eine Ordner*in und mehrere Teilnehmer*innen während der Demonstration so stattfinden konnte. Zu den Übergriffen während der Demonstration haben wir eine Pressemitteilung verfasst, die ihr hier findet.
Wir sind gewiss nicht die Ersten, die nach mehr Polizei rufen - eine so minimale Begleitung der CSD-Demonstration war aber besonders vor dem Hintergrund der Nazi-Gegendemonstration absolut unverständlich und hätte zu noch schlimmeren Situationen führen können.
Zur Klarstellung: Die Polizei hat beim CSD Erfurt nicht alles falsch gemacht - z.B. beim Umgang mit dem zweiten Wagen (der zu schwer für die Lange Brücke war) zeigten sich die anwesenden Polizist*innen flexibel und kooperationsbereit.


Beide Punkte machen uns nachdenklich, wie wir die Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Polizei in Zukunft gestalten. Im anstehenden Auswertungstreffen des CSD Bündnis Erfurt werden wir uns damit sicher noch mehr auseinandersetzen.

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