Was ist eigentlich der CSD?



Der Christopher Street Day (CSD) erinnert an den ersten bekanntgewordenen Aufstand von Trans*Personen, Homosexuellen und anderen Queers gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen der queeren Szene. Besonders betroffen von Misshandlungen und Willkür waren Afroamerikaner und solche mit lateinamerikanischer Herkunft. 
Als sich an diesem Abend insbesondere Dragqueens und transsexuelle Latinas und Schwarze gegen die wiederkehrenden Kontrollen wehrten, war dies der Ausschlag für tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seitdem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Trans* - und Inter*-Personen, Bisexuellen und anderen Queers abzuhalten.

Mit den aktuellen CSDs wollen wir einerseits an diese Ereignisse erinnern und feiern, dass wir für die sexuelle, romantische und geschlechtliche Selbstbestimmung aller Menschen (in Deutschland) nicht mehr gewaltsam vorgehen müssen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, dass die damals angestrebten Ziele noch immer nicht erreicht ist. Heterosexuelle und zweigeschlechtliche Norm durchdringen noch immer alle Teile unseres Alltages, unsere Kultur und das Handeln des Staates. Denn Diskriminierung fängt nicht erst bei der strafrechtlichen Verfolgung an: Queere Menschen erleben in Deutschland unterschiedlichste Formen von Diskriminierung und Fremdbestimmung. Das reicht von den geschlechtsverändernden Operationen an intergeschlechtlichen Säuglingen und Kindern bis zur Beurteilung und unterschiedlichen Anerkennung individueller Lebensentwürfe.
Die Relevanz des CSD hat also nicht abgenommen und es gibt genügend Gründe für sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt auf die Straße zu gehen!

Seit 1994 passiert das auch in Erfurt. Wir zeigen, dass wir stolz sind auf unsere Vielfalt und uns nicht einschüchtern lassen. Wir bieten Zuflucht und feiern, denn an diesem einen Tag gehört Erfurt uns. Wir gedenken an unsere queeren Freund*innen weltweit, die nicht oder nicht mehr zum CSD kommen können.
Wir wollen keine Toleranz sondern echte Gleichberechtigung, Akzeptanz und das Aufbrechen gesellschaftlicher Normen.

Wir wollen aber auch das bisher Erreichte verteidigen, gegen den autoritären Umbau in Europa und den Rechtsruck in der Gesellschaft. Deswegen heißt unser Motto für 2017: ERFURT BLEIBT QUEER!

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